Der Holocaust in uns

Heute ist Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Die Erinnerung wachhalten, wider das Vergessen, das Verdrängen, das Verleugnen. Manch einer will heute mit der Geschichte nichts mehr zu tun haben. Es sei längst vorbei, man könne doch nichts dafür, man müsse endlich damit abschließen. Doch das Trauma des Holocaust es ist in uns alle eingeprägt. Wir können es nicht abschließen, hinter Schloss und Riegel bringen, ohne dafür mit Seelengeld zu bezahlen. Hierbei geht es nicht um Schuld und Schande. Es geht um stetes Anerkennen des Leids und des Traumas. Das Trauma will anerkannt sein in uns allen. Es will sich beantwortet fühlen in diesem Gesehenwerden.

 

Ich habe gestern ein Interview mit dem Künstler Yehuda Bacon gesehen. Er hat als Kind und Jugendlicher Auschwitz erfahren. Was mir an ihm aufgefallen ist, sind seine hellwachen gütigen Augen, seine lebhafte Mimik, seine warmherzigen, weisen Worte voller Liebe zum Leben. Ich fühlte mich während ich ihm zuhörte angefüllt mit Dankbarkeit, Demut und Zuversicht und das obwohl er von unvorstellbaren Erlebnissen berichtete. Immer wieder lenkte er den Fokus auf die Menschlichkeit, die ihm während dieser Zeit begegnet ist. Er behandelte diese verhältnismäßig wenigen Momente wie Wunder. So sagte er sinngemäß, ein Wunder wäre nichts, was über uns ist, sondern, es ist ein tiefes inneres Erleben einer bestimmten Situation. Dieses Erleben eines Wunders ist in der Lage, uns zu retten, uns neues Vertrauen ins Leben zu geben, unseren Blickwinkel und unsere Motivation zu verändern.

 

Dieser Mann bewahrte sich, wie viele andere auch, in der finstersten Hölle seine Würde. Der Psychoanalytiker Arno Gruen beschrieb es einmal so: "(Menschliche Würde) das ist das, was die Nazis versuchten zu töten, denn sie hassten es in sich selbst. Die hatten nur eine sogenannte äußerliche Würde und die Formen: Ich bin groß, ich hab Macht. Aber wahre Würde hat ja mit einem inneren Festhalten an der Menschlichkeit zu tun. Und das konnten die Nazis nicht töten. Daran hielten diese Menschen sich fest und das gab ihnen auch die Kraft zu widerstehen."

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